Ski Alpin

wokesports interviewte die 29-jährige Christina Geiger aus Oberstdorf nach den Ski Weltmeisterschaften in Are und dem darauffolgendem City Parallel Slalom in Stockholm, Schweden.

Sie erzählt uns warum sie zurück in der Weltspitze ist….

Hallo Tina, vielen Dank dass Du Dir einen Tag nach Deinem sensationellen zweiten Platz beim Slalom City Event von Stockholm (Anm. der Redaktion 19.2.2019) für uns Zeit genommen hast

Tina: Sehr gerne

War dieser zweite Platz Dein größter sportlicher Erfolg oder gibt es anderweitige Erfolge, die Dir auch von Bedeutung sind?

Tina: Es war definitiv einer der größten Erfolge, weil es mein bestes Ergebnis im Weltcup nun ist und da bin ich auch sehr stolz drauf. Es freut mich, dass ich endlich zeigen konnte, was ich drauf hab. Auch wen es schon lange her ist, bedeutet mir der erste Podestplatz und zwar der dritte Platz am Zauberberg am Semmering aus dem Jahr 2010 sehr viel. Desweiteren natürlich meine bei der Junioren WM errungene Goldmedaille 2010 von Chamonix.

Wo siehst Du die Gründe, dass es diese Saison im Slalom Weltcup so toll für Dich läuft?

Tina: Das ist immer schwer zu sagen – ich denke es sind mehrere Gründe. Zum einen die fast verletzungsfreie Vorbereitung, dadurch konnte ich fast problemlos über den Sommer u.a. in Berchtesgaden trainieren. Die letzten Jahre bin ich erstmal aus einer OP zurückgekommen und es hat alles ein wenig mehr Zeit gebraucht. Ich bin diesmal absolut fit in die Saison gestartet und hatte mein Knie relativ gut im Griff.

Ich war somit bei den ersten Rennen ganz gut in Form, konnte es aber im Wettkampf anfangs noch nicht richtig zeigen. Seit dem siebten Platz nach dem ersten Durchgang am Semmering (AUT) Ende Dezember 2018 hab ich wieder das Gefühl bekommen, wie es sich anfühlen muss, da vorne mit zu fahren.

Den Flow hab ich dann irgendwie mitgenommen. Momentan stell ich mich auf die Ski und es klappt einfach. Man sollte auch nicht zu viel nachdenken warum es jetzt läuft und dies auch so mitnehmen. Zudem muss man sich in jedem Training steigern, weil man natürlich will, dass es auch mal für ganz Vorne reicht.

Beim Handshake nach dem Finalduell mit Mikaela Shiffrin aus den USA hat sie Dir ein paar Worte zugesteckt – was hat sie zu Dir gesagt?

Tina: Mikaela hat mir gratuliert dass ich wieder auf dem Podium bin und ich habe mich daraufhin bei ihr für den tollen Fight bedankt! Nach dem ersten Durchgang war ich nur 0,01 sec. hinter ihr und im zweiten Durchgang bis zum Sprung in der Mitte noch gleichauf.

Wie fühlt es sich an wenn man so viele anerkennende Worte bekommt?

Tina: Es ist natürlich schön. vor allem weil in den letzten Jahre so viel Kritik von außerhalb ausgeübt wurde und natürlich auch von mir selbst, weil es nie so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt habe. Es beflügelt einen dann natürlich und auch durch den 2. Platz jetzt kamen sehr viele Glückwünsche, was mich unheimlich freut.

Hast Du schon einen Plan für die nächsten Jahre und denkst Du an die Olympischen Winterspiele Peking 2022? 

Tina: Peking 2022 ist definitiv zu weit weg, es sind noch einige Jahre, deshalb ist schwer zu sagen was bis dahin geschieht. Momentan läuft es gut, die Form steigt, da will man natürlich nicht ans Aufhören denken. Man muss immer schauen. wie es dem Körper geht und was er macht. Ich will auf jeden Fall erstmal an die guten Ergebnisse anknüpfen

Und das gelingt Dir momentan..!

Tina: Ja aber wie gesagt, man muss schauen was der Körper macht. Klar hab ich noch mit meinem Knie zu kämpfen und es gibt auch schlechte Tage, wo ich mir denke es könnte in Zukunft schwierig werden.

Aber natürlich will man gewinnen und tollen Ergebnisse erzielen. Es ist einfach ein toller Job und es macht wahnsinnig Spaß. Man muss aber bedenken, dass man den Sport einfach nur ein paar Jahre ausüben kann. Momentan bin ich schon in der Phase, dass man von Jahr zu Jahr weiter schauen muss und ich jetzt noch nicht sagen kann, ob ich in drei Jahren in Peking mitfahre.

Der Cityevent wird als Parallelslalom gegeneinander gefahren – uns ist aufgefallen hier gibt es unterschiedliche Techniken, klärst Du uns auf?

Tina: Ich mache das mit dem Crossblock gar nicht, ich fahr um das Tor herum, weil für mich ist das Problem, dass die Fahne bei uns Mädels sonst direkt vor der Brille wäre. Die Jungs, die ein bisschen größer sind schauen drüber, dann ist es bisschen einfacher. Ich hab`s im Training versucht und tue mir schwer damit, vor allem wenn die Spuren kommen muss man weiter rüber greifen.

Du bist im Slalom Weltcup auf dem 8. Rang – möchtest Du noch weiter nach vorne und wie gehst du die Rennen an? Zwei Weltcuprennen sind ja noch zu fahren

Tina: ja und vor allem mit dem derzeitigen 11. Rang auf der WCSL Liste (Weltcupstarliste) möchte ich auf jeden Fall noch einen Schritt nach vorne machen. Auf das Saisonfinale am 17.3.2019 in Andorra bin ich sehr motiviert, da hab ich noch eine Rechnung offen. Da war ich mal nach dem ersten Durchgang auf Rang 2 bin aber dann leider im zweiten Durchgang aufgrund den schlechten Bedingungen ausgeschieden.

Warum sind die Athleten aus Oberstdorf seit geraumer Zeit so erfolgreich? Ich denke daz. B. an Deine Namenskollegen Vincent und Karl oder an einen Johannes Rydzek

Tina: Wir die aktiven alpinen und nordischen Sportler aus Oberstdorf haben dort super Möglichkeiten zu trainieren und einen sehr professionellen Skiclub, der uns von Anfang an unterstützte. Zudem sind wir mit Top Trainingsstätten in Oberstdorf ausgestattet.

Wir haben tolle Skigebiete und man muss fürs Training nicht weit reisen, das ist auf jeden Fall ein großer Vorteil und als Grundlage für solche Erfolge zu sehen.

Was ist jetzt Dein Plan für die nächsten Tage?

Tina: Ich erhole mich jetzt erstmal und dann geht’s an die zwei letzten Weltcup´s am Samstag 9.3.2019 nach Tschechien (Spindlermühle) und eben am Sonntag 17.3.2019 zum Saisonfinale nach Andorra (Soldeau).

Ich freue mich natürlich sehr, wenn Ihr da alle einschaltet und Euch die Rennen anschaut!

Tina, wir wünschen Dir alles gute für die Zukunft & noch viele erfolgreiche Rennen! Danke, dass Du Dir nach den aufreibenden Tagen nach der WM und dem Cityevent aus Schweden Zeit für uns genommen hast!